Die Steillagen im Fokus

Kino, Kurzvorträge und Kleinkunst im Casa. Bereits zum 13. Mal hieß es beim Neckar Open „Drei Neckar-Themen im Zehn-Minuten-Takt“. Am 23. Oktober gab es zum ersten Mal einen Themenschwerpunkt: Die Steillagenweinberge am Neckar. Dabei gab es eine Filmpremiere und wieder tolle musikalische Beiträge. Diesmal vom Akkordeonist Michel Biehler (Foto).

Um alte Reben an steilen Hängen, um neue Rebsorten und um die Perspektiven von jungen Winzern ging es beim Auftakt zur fünften Staffel der Veranstaltungsreihe Neckar Open. Bereits zum 13. Mal konnte Susanne Schreiner vom Fachbereich Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Ludwigsburg die zahlreichen Besucher begrüßen.

Vor einem großen Berg von Zukunftsaufgaben stehen die Weingärtner, die die Steillagen am Neckar bewirtschaften. Das wurde in den Beiträgen der drei Experten, die wie üblich beim Neckar Open, in Kurzvorträgen im Zehn-Minuten-Takt von ihren Erfahrungen berichteten und dann ausgiebig mit dem Publikum diskutierten.

Neue Sorten, neue Wege im Anbau und in der Vermarktung

Im ersten der drei Beiträge blickte Herzog Michael von Württemberg zunächst kurz in die Vergangenheit. „Im Herzogtum Württemberg war der Neckar die Lebensader des Landes. Die Herzöge erwarben Herrschaften entlang des Neckars. Im 16. Jahrhundert war der Neckarwein bekannt und wurde in ganz Mitteleuropa gehandelt. Später verlor der Weinhandel seine Bedeutung, weil man schlechte Traubensorten (Massenträger) anbaute und nur auf viel Ertrag setzte. Das hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten geändert“ zitierte Herzog Michael den Archivar des Hauses Württemberg.

Herzog Michael von Württemberg hat in seinen Weinbergen rund zehn Prozent mit „exotischen“ Sorten wie Syrah oder Cabernet gepflanzt. Herzog Michael (links) im Gespräch mit Moderator Uli Ostarhild von den Neckarguides e.V..

Produkte, die eine Geschichte erzählen, verkaufen sich besser

„Wir sind offen für neue Wege in der Kundenansprache und neue Vermarktungswege“, so der studierte Agrarwissenschaftler und Leiter des Weingutes von Württemberg. Dabei stehen die Weinproben in Schloss Monrepos ganz oben. Aber auch für neue Wege der Kundenansprache ist man offen. Aus dem Publikum gab es Anregungen, künftig die Radler auf dem Neckartal-Radweg oder beim beliebten Wochenmarkt auf die Weine aus den Terrassen der Neckarhälde anzusprechen und zusammen mit Geschichten rund um Anbau und Kulturlandschaft anzubieten.

Elmar Kunz, stellvertretender Geschäftsführer Tourismus und Events Ludwigsburg, stellt den neuen Kurzfilm „Steillagen in Ludwigsburg“ vor. Der Kurzfilm zeigt, welche Faszination die Terrassenweinberge am Ludwigsburger Neckar für Neulinge in der Region ausmachen können. Und welche Arbeit nötig ist, bis ein Glas Steillagentrollinger im Glas ist. Unter www.neckar-storys.de ist der 4-Minuten-Film zu sehen.

Auch die Natur erzählt Geschichten. „Die Weinbergmauern bieten einzigartige Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere“, erläutert Annette Egger von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg.

Annette Egger, Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg

Der Erhalt der Mauern in den sonnigen Weinbergen ist wichtig, um spezialisierte Arten wie der Mauereidechse oder dem Mauerfuchs, einem bunten Tagfalter, Nahrung und Unterschlupf zu bieten. So sind seltene Schmetterlinge wie der Mauerfuchs angewiesen auf Pflanzen wie dem Schafschwingel. Dieses harte Gras hat nur auf warmen, trockenen Standorten Überlebenschancen und zählt zur Flora der geschützten Biotope der Weinbergmauern. Die Stiftung Naturschutzfonds hat eine Handlungsleitfaden zum Bau und Erhalt von Trockenmauern herausgegeben und unterstützt den Aufbau der Mauern auch finanziell.

Der Ludwigsburger Akkordeonist Michel Biehler bereichert mit ausgewählten Musikstücken, passend zum Neckar und zum Wein, die Wortbeiträge.

Die passenden Getränke – Weine aus Neckar-Steillagen – und leckere Häppchen dürfen nicht fehlen. In der Pause kommt man ins Gespräch.

Markus Wegst von der Weinbaugenossenschaft Rohracker erzählt, wie es ihn als Nebenerwerbs-Wengerter ungemein bereichert, wenn er mit seinen Genossen die Steillagen in dem Stuttgarter Neckar-Vorort bearbeitet. Weniger finanziell, wie schnell klar wird. Aber der kulturelle Wert, das Naturerlebnis und die Begeisterung der neuen Mitstreiter wiegen das für Wegst längst auf.

In den letzten Jahren haben sich in der kleinsten Weingärtnergenossenschaft des Landes wieder einige Aktive gefunden, die sich für den Erhalt der Steillagen Weinberge einsetzen. Zudem werden die Kurse für die Mitarbeit im Weinberg, die über die Volkshochschule angeboten werden, gut besucht.

Markus Wegst, Weingärtner Rohracker

„Für einen Quadratmeter Terrassenweinberg bezahlt man in Rohracker 70 Cent, Hundert Meter oberhalb bezahlt man Tausend Euro für einen Quadratmeter Bauplatz“. Markus Wegst von den Weingärtnern Rohracker beschreibt die krassen Unterschiede zwischen begehrtem Bauland und mühsam zu bewirtschaftenden Weinbergen in Stuttgart-Rohracker.

Das Thema Steillagenweinberge ist auch in Ludwigsburg längst angekommen. Günter Schlecht vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen der Stadt Ludwigsburg berichtete davon, dass es eine aktuelle Bestandsaufnahme der städtischen und der brachgefallenen Flächen gibt:

Auf Markung Ludwigsburg gibt es 54 ha Weinbergflächen, diese zum Großteil in Weinbergsteillagen in Poppenweiler, Neckarweihingen und Hoheneck. Die Stadt Ludwigsburg hat im Eigentum ca. 6.000 qm städtische Weinberge in den Steillagen, überwiegend in Hoheneck. Nur noch ca. 1.000 qm sind für den Weinanbau verpachtet. Alle übrigen Steillagenflächen sind überwiegend brachgefallen durch Kündigungen der Pächter und Aufgabe der Bewirtschaftung.

Günter Schlecht, Stadt Ludwigsburg

Alle brachgefallenen Weinberge werden jedoch offengehalten, so dass keine Verbuschung erfolgt. Z.B. die genannten Beispiele in Hoheneck, Oberer Berg (Pflege in Zusammenarbeit mit BUND und Bürgerverein Hoheneck ) und Weinberg oberhalb den Zugwiesen in Neckarweihingen in Zusammenarbeit mit den Obst- und Gartenbauvereinen in Ludwigsburg.

Nun würden Mittel und Wege gesucht werden, wie die künftige Nutzung und Pflege der Weinbergterrassen oberhalb der Zugwiesen und bei Hoheneck gesichert werden kann. In diesem Herbst noch soll das Thema in den städtischen Gremien diskutiert werden.

Die Referenten in der Diskussion mit dem Publikum.

Alle Fotos: Uwe Roth